Wer Sauerkrautsaft kauft, tut das meist wegen der Milchsäurebakterien. Ob die im gekauften Saft noch leben, steht bei den wenigsten Produkten dabei.
Von zehn geprüften Angeboten nennt genau eines die Wärmebehandlung. Im Herstellerdatenblock steht dort wörtlich, es handle sich um ein pasteurisiertes Produkt. Die übrigen neun schweigen dazu — im Angebotstext ebenso wie in den Produktdetails.
Gefragt wird trotzdem, und zwar überall
Beim Durchsehen der Rezensionen und Kundenfragen taucht dieselbe Frage bei fast jedem Produkt auf. Ein Käufer fragt direkt, ob der Saft pasteurisiert sei, und begründet das mit dem Immunsystem. Ein anderer schreibt, der Saft schmecke gut, sei aber leider erhitzt. Ein dritter berichtet, er habe lange suchen müssen, bis er endlich einen nicht pasteurisierten gefunden habe.
Besonders aufschlussreich ist eine kritische Bewertung zu einem der Produkte: Der Saft sei pasteurisiert, und das sei nur klein auf der Rückseite vermerkt. Die Angabe existiert also auf der Flasche. Sie steht nur nicht dort, wo sie vor dem Kauf helfen würde.
Warum das rechtlich in Ordnung ist
Die Lebensmittel-Informationsverordnung — Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 — führt in Artikel 9 die Angaben auf, die ein Lebensmittel kennzeichnungspflichtig machen: Bezeichnung, Zutatenverzeichnis, Allergene, Mengen, Haltbarkeit, Nährwerte und einige weitere. Ein Erhitzungsverfahren steht nicht darunter. Wer es nicht nennt, verstößt gegen nichts.
Hinzu kommt eine zweite Regel, die erklärt, warum auf keiner dieser Flaschen das Wort steht, nach dem monatlich Hunderte suchen. Probiotisch gilt als gesundheitsbezogene Angabe im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006. Für Wirkungen auf die Darmflora ist keine solche Angabe zugelassen, weshalb der Begriff auf deutschen Etiketten nicht auftauchen darf. In keinem der zehn geprüften Angebote bewirbt der Hersteller sein Produkt als probiotisch — obwohl es genau das ist, wonach gesucht wird.
Es gibt trotzdem einen Weg, es zu erkennen
Die Haltbarkeit verrät es. Ein Saft, der ungekühlt monatelang im Regal steht, wurde erhitzt — anders ist diese Lagerfähigkeit bei einem fermentierten Gemüsesaft nicht zu erreichen. Ein Saft mit dreißig Tagen Haltbarkeit wurde es nicht.
Im Vergleichsfeld gibt es genau ein Produkt mit dreißig Tagen Haltbarkeit, und es ist zugleich das einzige, dem Käufer ausdrücklich bescheinigen, es sei nicht pasteurisiert. Die beiden Beobachtungen stützen sich gegenseitig. Wer lebende Kulturen sucht, hat damit ein Kriterium, das auf jedem Etikett steht — auch wenn es nicht das ist, wonach er eigentlich gesucht hat.
Was die Sternebewertungen dazu beitragen
Nichts. Die Produkte sind praktisch gleichauf: Nach Glättung an der Zahl der Rückmeldungen liegen alle zehn in einem Band von gut anderthalb Zehntel Sternpunkten, sie unterscheiden sich also kaum. Dieser Vergleich weist deshalb keine Rangfolge nach Bewertung aus.
Das ist erklärbar und sogar aufschlussreich. Bewertet wird, was der Käufer erlebt — Geschmack, Lieferung, heiles Glas. Ob der Saft erhitzt wurde, erlebt er nicht; er erfährt es allenfalls hinterher und schreibt dann eine Rezension darüber. Die Frage, um die es dieser Warengruppe geht, kann in eine Sternebewertung gar nicht einfließen.
Deshalb legen wir offen, wonach das Siegel vergeben ist. Es geht nicht an das bestbewertete Produkt — ein solches gibt es hier nicht. Es geht an das einzige Produkt, dessen Angaben die zentrale Frage der Seite beantworten: kurze Haltbarkeit statt monatelanger Lagerfähigkeit, dazu als einziges ohne Salzzusatz. Dem stehen zwei deutliche Nachteile gegenüber, die wir nicht kleinreden: der höchste Preis im Feld und eine Rückmeldebasis von fünf Bewertungen, die für sich genommen nichts trägt. Wer den Saft nur zur Verdauungsanregung trinkt, fährt mit den günstigen Produkten genauso gut.










