An der Fischtheke steht auf jedem Schild, welche Art dort liegt, wie sie gefangen wurde und wo. Im Glas daneben steht davon nichts.
Was beim Fisch selbst vorgeschrieben ist
Artikel 35 Absatz 1 der Verordnung (EU) Nr. 1379/2013 verlangt für Fischerei- und Aquakulturerzeugnisse eine ganze Reihe von Angaben: die Handelsbezeichnung und den wissenschaftlichen Namen der Art, die Produktionsmethode — also gefangen, aus Binnenfischerei oder aus Aquakultur —, das Fanggebiet und die Kategorie des Fanggeräts. Dazu kommt der Hinweis, wenn Ware aufgetaut wurde.
Diese Pflicht gilt für die Erzeugnisse aus Anhang I Buchstaben a, b, c und e: lebende, frische, gekühlte und gefrorene Fische samt Filets, getrocknete und geräucherte Ware, Krebs- und Weichtiere sowie Algen.
Warum sie im Fond nicht greift
Ein Fond ist ein zubereitetes Erzeugnis und steht damit nicht unter diesen Buchstaben. Wer aus demselben Kabeljau ein Filet verkauft, muss Art, wissenschaftlichen Namen, Fanggebiet und Fanggerät angeben. Wer daraus einen Fond kocht, muss nichts davon.
Das ist ausdrücklich kein Rechtsverstoß. Es ist eine Lücke zwischen zwei Regalen im selben Laden — und sie ist der Grund, warum die Frage nach dem Fisch bei diesem Produkt so schwer zu beantworten ist.
Was die Angebote tatsächlich hergeben
Von zehn geprüften Angeboten führen sechs überhaupt ein Zutatenverzeichnis. Vier beziffern den Fischanteil. Drei nennen eine Fischart. Ein wissenschaftlicher Name, ein Fanggebiet oder eine Fangmethode kommt in keinem einzigen vor.
Die drei Fälle mit Artangabe sind aufschlussreich. Ein deutsches Produkt nennt Seelachsgräten und Pangasius — der zweite ein Zuchtfisch aus Südostasien, was man einem europäischen Fischfond nicht ansieht. Ein spanisches schreibt schlicht „verschiedene Fische", was ehrlich ist und trotzdem nichts sagt. Und bei zwei weiteren spanischen Produkten steht zwar eine Artenliste, sie ist im deutschen Angebotstext aber so verunglückt übersetzt, dass sich nichts daraus ableiten lässt.
Die umgekehrte Beobachtung
Die beiden Konzentrate im Feld beziffern ihren Fischanteil sehr genau — fünfundsechzig, viereinhalb und eineinhalb Prozent bei dem einen, vierundsechzig Prozent bei dem anderen. Eine Art nennen sie nicht. Wer wissen will wie viel, wird bei den Konzentraten fündig; wer wissen will welcher, bei keinem von beiden.
Was die Bewertungen dazu beitragen
Nichts Belastbares. Die Rezensionszahlen liegen zwischen sechs und siebenundfünfzig; nach Glättung an dieser Zahl liegen alle zehn Produkte in einem Band von acht Hundertstel Sternpunkten und sind damit praktisch gleichauf. Dieser Vergleich weist deshalb keine Rangfolge nach Bewertung aus. Das Siegel geht entsprechend an das Produkt mit der vollständigsten Deklaration — sechs einzelne Prozentangaben, mehr gibt keines her. Sein Nachteil steht in seinem Eintrag: Die Artennamen sind im deutschen Angebot kaum zu entziffern.










